Subtiler Autismus bei Mädchen und Frauen
Veröffentlicht von Janine Graber im Februar 2026
Wenn Anpassung unsichtbar macht
Autismus wird noch immer häufig mit einem klar erkennbaren, „typischen“ Bild assoziiert – oft geprägt durch Beobachtungen an Jungen. Viele Mädchen und Frauen im Autismus-Spektrum zeigen jedoch subtilere Ausprägungen. Ihre Besonderheiten werden oft übersehen, fehlinterpretiert oder als Persönlichkeitsmerkmal eingeordnet.
Der Begriff „subtiler Autismus“ wurde von Dorothea Whitehead geprägt. Er ist kein offizieller diagnostischer Terminus, beschreibt jedoch treffend Menschen, deren autistische Merkmale leicht übersehen werden. Insbesondere Mädchen und Frauen weisen häufig solche unauffälligen Ausprägungen auf (Whitehead 2024).
Autismus wird noch immer häufig mit einem klar erkennbaren, „typischen“ Bild assoziiert – oft geprägt durch Beobachtungen an Jungen. Viele Mädchen und Frauen im Autismus-Spektrum zeigen jedoch subtilere Ausprägungen. Ihre Besonderheiten werden oft übersehen, fehlinterpretiert oder als Persönlichkeitsmerkmal eingeordnet.
Der Begriff „subtiler Autismus“ wurde von Dorothea Whitehead geprägt. Er ist kein offizieller diagnostischer Terminus, beschreibt jedoch treffend Menschen, deren autistische Merkmale leicht übersehen werden. Insbesondere Mädchen und Frauen weisen häufig solche unauffälligen Ausprägungen auf (Whitehead 2024).
Prävalenz: Ein verzerrtes Bild
Frühere Annahmen gingen davon aus, dass auf ein Mädchen sechs bis acht Jungen kommen. Eine aktuelle Forschung aus Schweden (2026) zeigt jedoch, dass Autismus bei Mädchen ähnlich häufig vorkommt wie bei Jungen – nur zeigt sich Autismus bei ihnen anders und Mädchen erhalten ihre Diagnose deutlich später.
Ein zentraler Grund, warum sie oft nicht oder erst spät erkannt werden, liegt in den ursprünglich auf Jungen basierenden diagnostischen Kriterien. Mädchen erkennen sich in diesen Beschreibungen häufig nicht wieder. Während Jungen eher durch auffälliges oder „systemsprengendes“ Verhalten auffallen, wirken Mädchen oft ruhig, angepasst oder schüchtern – Eigenschaften, die gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen und deshalb leicht übersehen werden.
Solange schulische Leistungen stimmen und soziale Kontakte bestehen, werden ihre subtilen Auffälligkeiten meist nicht bemerkt. Viele Mädchen lernen früh, genau zu beobachten und ihr Verhalten anzupassen
Warum Autismus bei Mädchen oft übersehen wird
Der Autismus-Experte Tony Attwood beschreibt, dass Mädchen im Autismus-Spektrum häufig Strategien entwickeln, um ihre autistischen Merkmale zu kompensieren. Ein wichtiger Mechanismus besteht darin, bewusst zu lernen, wie man sich in sozialen Situationen verhält. Oft übernehmen sie eine soziale Rolle oder ein „Skript“, orientieren sich an einer kompetent wirkenden Person und treffen Entscheidungen weniger intuitiv als kognitiv-strukturiert (Attwood 2019).
Diese Anpassungsstrategien werden unter den Begriffen Masking und Camouflaging zusammengefasst. Sie ermöglichen es Mädchen, in Schule und Alltag unauffällig zu wirken, erschweren jedoch die Erkennung durch Eltern, Lehrkräfte oder Fachpersonen. Viele Frauen erhalten ihre Diagnose daher erst im Erwachsenenalter, oft bei anhaltenden Problemen in den Bereichen Gefühle, Arbeit und Beziehungen.
Spezialinteressen
Neben Masking spielen Spezialinteressen eine wichtige Rolle in der Erscheinungsform von Autismus bei Mädchen und Frauen. Ihre Spezialinteressen sind häufig weniger auffällig oder exzentrisch, also weniger ungewöhnlich oder sofort als eigenartig erkennbar. Sie zeigen oft intensive Interessen an sozial akzeptierten Bereichen wie:
Meist fällt nur die besonders intensive Ausprägung auf, wobei die Beschäftigung sehr fokussiert, organisiert und detailliert sein kann, ohne dass Aussenstehende dies als ungewöhnlich wahrnehmen.
Im Vergleich: Während Jungen im Autismus-Spektrum dazu neigen, Faktenwissen wiederzugeben, nutzen Mädchen ihre kognitiven Fähigkeiten oft, um soziale Situationen zu analysieren und über Widersprüche in sozialen Konventionen oder über eigene Erfahrungen nachzudenken. Auffällige Probleme in der motorischen Koordination oder im Verhalten treten bei Mädchen seltener auf als bei Jungen (Attwood 2019)
Soziale Beziehungen
Auch die soziale Vernetzung zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Mädchen im Autismus-Spektrum wirken in Freundschaften oft weniger „schwierig“ und bauen enge Beziehungen auf, die ihre soziale Naivität und Sicherheit schätzen. Dadurch wird das klassische Diagnosekriterium „Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehung zu Gleichaltrigen“ bei Mädchen seltener erkennbar. Probleme zeigen sich meist erst, wenn vertraute Freunde nicht mehr verfügbar sind, etwa durch Schulwechsel (Attwood 2019).
Fazit
Subtiler Autismus bei Mädchen und Frauen fällt oft nicht auf, da Verhalten, Interessen und Freundschaften angepasst und unauffällig wirken. Masking-Strategien erschweren die Erkennung zusätzlich. Für Diagnostik, Pädagogik und Unterstützung ist es entscheidend, genau hinzuschauen, geschlechtsspezifische Merkmale zu beachten und Stärken der Betroffenen sichtbar zu machen.
Frühere Annahmen gingen davon aus, dass auf ein Mädchen sechs bis acht Jungen kommen. Eine aktuelle Forschung aus Schweden (2026) zeigt jedoch, dass Autismus bei Mädchen ähnlich häufig vorkommt wie bei Jungen – nur zeigt sich Autismus bei ihnen anders und Mädchen erhalten ihre Diagnose deutlich später.
Ein zentraler Grund, warum sie oft nicht oder erst spät erkannt werden, liegt in den ursprünglich auf Jungen basierenden diagnostischen Kriterien. Mädchen erkennen sich in diesen Beschreibungen häufig nicht wieder. Während Jungen eher durch auffälliges oder „systemsprengendes“ Verhalten auffallen, wirken Mädchen oft ruhig, angepasst oder schüchtern – Eigenschaften, die gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen und deshalb leicht übersehen werden.
Solange schulische Leistungen stimmen und soziale Kontakte bestehen, werden ihre subtilen Auffälligkeiten meist nicht bemerkt. Viele Mädchen lernen früh, genau zu beobachten und ihr Verhalten anzupassen
Warum Autismus bei Mädchen oft übersehen wird
Der Autismus-Experte Tony Attwood beschreibt, dass Mädchen im Autismus-Spektrum häufig Strategien entwickeln, um ihre autistischen Merkmale zu kompensieren. Ein wichtiger Mechanismus besteht darin, bewusst zu lernen, wie man sich in sozialen Situationen verhält. Oft übernehmen sie eine soziale Rolle oder ein „Skript“, orientieren sich an einer kompetent wirkenden Person und treffen Entscheidungen weniger intuitiv als kognitiv-strukturiert (Attwood 2019).
Diese Anpassungsstrategien werden unter den Begriffen Masking und Camouflaging zusammengefasst. Sie ermöglichen es Mädchen, in Schule und Alltag unauffällig zu wirken, erschweren jedoch die Erkennung durch Eltern, Lehrkräfte oder Fachpersonen. Viele Frauen erhalten ihre Diagnose daher erst im Erwachsenenalter, oft bei anhaltenden Problemen in den Bereichen Gefühle, Arbeit und Beziehungen.
Spezialinteressen
Neben Masking spielen Spezialinteressen eine wichtige Rolle in der Erscheinungsform von Autismus bei Mädchen und Frauen. Ihre Spezialinteressen sind häufig weniger auffällig oder exzentrisch, also weniger ungewöhnlich oder sofort als eigenartig erkennbar. Sie zeigen oft intensive Interessen an sozial akzeptierten Bereichen wie:
- Pferde
- Tiere
- Literatur
- Psychologie
Meist fällt nur die besonders intensive Ausprägung auf, wobei die Beschäftigung sehr fokussiert, organisiert und detailliert sein kann, ohne dass Aussenstehende dies als ungewöhnlich wahrnehmen.
Im Vergleich: Während Jungen im Autismus-Spektrum dazu neigen, Faktenwissen wiederzugeben, nutzen Mädchen ihre kognitiven Fähigkeiten oft, um soziale Situationen zu analysieren und über Widersprüche in sozialen Konventionen oder über eigene Erfahrungen nachzudenken. Auffällige Probleme in der motorischen Koordination oder im Verhalten treten bei Mädchen seltener auf als bei Jungen (Attwood 2019)
Soziale Beziehungen
Auch die soziale Vernetzung zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Mädchen im Autismus-Spektrum wirken in Freundschaften oft weniger „schwierig“ und bauen enge Beziehungen auf, die ihre soziale Naivität und Sicherheit schätzen. Dadurch wird das klassische Diagnosekriterium „Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehung zu Gleichaltrigen“ bei Mädchen seltener erkennbar. Probleme zeigen sich meist erst, wenn vertraute Freunde nicht mehr verfügbar sind, etwa durch Schulwechsel (Attwood 2019).
Fazit
Subtiler Autismus bei Mädchen und Frauen fällt oft nicht auf, da Verhalten, Interessen und Freundschaften angepasst und unauffällig wirken. Masking-Strategien erschweren die Erkennung zusätzlich. Für Diagnostik, Pädagogik und Unterstützung ist es entscheidend, genau hinzuschauen, geschlechtsspezifische Merkmale zu beachten und Stärken der Betroffenen sichtbar zu machen.
Literatur
- Attwood, Tony (2019): Leben mit dem Asperger-Syndrom – Von Kindheit bis Erwachsensein – alles, was weiterhilft. Stuttgart: TRIAS Verlag.
- Whitehead, Dorothea (2024): Subtiler weiblicher Autismus – Wegweiser für Mädchen und Frauen. Norderstedt: BoD – Books on Demand.
- Fyfe, Caroline, Winell, Henric, Dougherty, Joseph, Gutmann, David H., Kolevzon, Alexander, Marrus, Natasha, Tedroff, Kristina, Turner, Tychele N., Weiss, Lauren A., Yip, Benjamin H. K., Yin, Weiyao, Sandin, Sven (2026): Time trends in the male to female ratio for autism incidence: population based, prospectively collected, birth cohort study. BMJ, 4 February 2026. DOI: https://www.bmj.com/content/392/bmj-2025-084164